Bezirkshauptmannschaft

Kirchdorf

Die Umgebung des Wettbewerbsgebiets ist trotz der Nähe zum historischen Zentrum durch einen heterogenen Städtebau gekennzeichnet. Gewerbe und Handel reiht sich an Einfamilienhäuser und mehrgeschossigen Wohnbau. Der dreigeschossige Baukörper liegt zurück versetzt am Bauplatz und schafft somit eine Vorplatzsituation, die zum einen notwendige Kunden-Stellplätze aufnehmen kann, zum anderen der Bezirkshauptmannschaft ein entsprechendes Entree bietet. Zusätzlich wird das Gebäudedurch die Maßnahme des „Zurückrückens“ räumlich klar wahrgenommen und ein für den Besucher sehr übersichtliches Ankommen geschaffen.

Das Gefälle der Garnisonstrasse wurde derart ausgenützt, dass es eine direkte Zufahrt ins Untergeschoss und somit auch zum Parkdeck gibt, wodurch eine notwendige Rampe am eigenen Grundstück vermieden wird sowie die ebenerdige Zugänglichkeit zu den Technikräumen ermöglicht wird.

Ein kompakter und effektiver Baukörper, der durch verschiedenste Raumsituationen an Spannung gewinnt, die inneren Abläufe optimiert sowie den Nutzern ein optimales Arbeitsumfeld garantiert, war das oberste Ziel des im Zuge eines EU-weit offenen Architekturwettbewerbs mit dem 1. Preis prämierten Entwurfes. Ein rein rechteckiger Grundriss brächte durch seine enormen Raumtiefen große Belichtungsschwierigkeiten mit sich. Gelöst wurde diese Herausforderung durch das Einschneiden eines Hofes, welcher nach Süden offen ist und das Gebäude über die gesamte Tiefe mit natürlichem Licht versorgt. Zusätzlich kann dieser Hof durch seine gärtnerische Gestaltung als wertvoller Aufenthaltsraum bzw. als räumliche Erweiterung des Hauses gesehen werden.

Vom Vorplatz gelangt man in den Foyer Bereich, von dem aus der Infopoint, die Servicestelle und der Multifunktionsaal erreichbar sind. Direkt vom Foyer gelangt man über die großzügige und einladende Freitreppe in die Obergeschoße, welche natürlich auch durch den zentralen Aufzug erreichbar sind.

Aufgrund der effizienten Bauweise der Grundstruktur kann ein erhöhtes Augenmerk auf die Fassade gelegt werden. Im Projekt wird eine Doppelfassade im Sinne einer individuell lösbaren Beschattung vorgeschlagen. Ein geschoßweises, umlaufendes Gesims schützt die Fassade vor direkter Bewitterung und dient zusätzlich als Grundbeschattung in den Sommermonaten. Raumhohe in zwei Ebenen montierte Schiebeelemente, analog zur Tradition der Fensterläden, können je Büro vom Nutzer individuell eingestellt werden. Eine in den Sommermonaten aktive Nachtabkühlung wirkt durch die Aktivierung der Betondeckenstruktur in den Büros einer sommerlichen Überhitzung entgegen, in den Wintermonaten kann durch die duale Ausrichtung der Heizsysteme mittels Fußbodenheizung und Radiatoren der Nutzer selbst über die beste Temperatur entscheiden.

Die in vielen Neubauten von Büro- und Verwaltungsgebäuden mittlerweile übliche Aufrüstung mit technischen Finessen und hochkomplexen Lüftungsanlagen wurde im gegenständlichen Projekt wieder auf ein menschliches, nutzerfreundliches und vor allem angemessenes Maß gesetzt. Die für diverse innenliegende Räume sowie dem Mehrzwecksaal notwendigen Lüftungsanlagen wurden so konzipiert, dass Synergien genutzt werden und außerhalb der Saalnutzung die Bürogeschoße mittels einer die Luftfeuchtigkeit regulierende „Komfortlüftung“ versorgt werden können. Das Haus erwartet von den Nutzern eine aktive Mitarbeit im Sinne eines angenehmen Raumklimas, gibt im Gegenzug durch die Individualität im Einzelnen einen großen Mehrwert zurück.

Projekttyp

Neubau Bezirkshauptmannschaft, Öffentlicher Raum, Büro und Verwaltungsgebäude, Städtebau

Leistungsumfang + Jahr

Architekturwettbewerb 1. Preis | 2014| Umsetzung 2018

Nutzfläche + Kosten

ca. 3890 m² | ca. € 12,5 Mio.

Auftraggeber

Landes Immobilien GmbH

Team

M. Urmann, A. Berndorfer, R. Sigl, T. Aufreiter, R. Pammer, Z. Szabados-Pravetz, P. Stumbauer

Fotograf + Visualisierung

Kurt Kuball

Urmann Radler Architekten